Baedeker Reiseführer London - mit Downloads aller Karten und Grafiken

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von: John Sykes, Rainer Eisenschmid

MairDuMont, 2018

ISBN: 9783575425294

Sprache: Deutsch

392 Seiten, Download: 44144 KB

 
Format:  EPUB, auch als Online-Lesen

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Das ist...


London

Die großen Themen rund um die spannendste Metropole Europas. Lassen Sie sich inspirieren!

Einmal Königin Sein …


… oder doch wenigstens jemand Royalem etwas näher kommen! Hand aufs Herz: Da steht man als bekennender Demokrat vor Buckingham Palace, schaut gebannt auf Pomp und Circumstance der Wachablösung und hofft insgeheim, dass die Queen aus dem Fenster spickt. Was fasziniert so an den Royals?

© Getty Images

DENN die Frage sei erlaubt, warum sich die Briten diesen vermeintlichen Anachronismus leisten, anders formuliert: Was tun die Royals eigentlich, und weshalb bekommen sie so viel Geld?

Die britische Monarchie ist die älteste der Welt. Faktisch ist die Macht des Monarchen aber sehr beschnitten. Es gibt zwar keinen offiziellen Akt, der nicht in seinem Namen geschähe, er eröffnet das Parlament, ist nominell Chef der Armee und Oberhaupt der Kirche. Doch könnte er heute niemals entscheidend in die Politik eingreifen. Gegenüber den Politikern hat er jedoch einen unschätzbaren Vorteil – er ist nicht dem wankelmütigen Wahlvolk ausgeliefert. Elizabeth II. regiert seit über 63 Jahren, hat damit in der Dienstalter-Rangliste ihre Ur-Ur-Großmutter Victoria überholt. Der Monarch verkörpert also Kontinuität und Verlässlichkeit.

Royales Repräsentieren


Wer wissen will, was die Royals täglich so tun, kann dies im Royal Bulletin in den Zeitungen oder im Royal Diary auf www.royal.gov.uk nachlesen. Man wird feststellen, dass die »Firma« (Prinz Philip) nicht nur große Anlässe, sondern vor allem eine Unzahl kleinerer Zeremonien beehrt: Princess Anne eröffnet eine Ausstellung, die Herzogin von Gloucester besucht einen Kindergarten, der Prince of Wales inspiziert ein Kriegsschiff. Dabei fällt immer wieder auf, dass die Royals gerade bei den »kleinen Leuten« äußerst beliebt sind.

Statistisch gesehen muss jeder Brite 0,60 Pfund pro Jahr für die Royals berappen. Damit finanziert er den gesamten Repräsentationsaufwand von ca. 50 Mio. Pfund jährlich. Dazu gehört u. a. ein schottischer Pipe Major, der zum Frühstück aufspielt. Die Queen, mit einem geschätzten Vermögen von 6,5 Mrd. Pfund die reichste Frau der Welt, beteiligt sich nicht daran. Kommt die Sprache auf das Geld, fällt die Meinung der Untertanen über ihre erste Familie deutlicher aus: Viele wollen ihr jegliche Zuschüsse streichen. Doch den meisten sind sie immer noch ihr Geld wert.

Das Ritual der Entrückung


Lange hat das Ehe- und Liebesleben der Windsors den Unmut und die Auflagen der Zeitungen befeuert, man denke nur an den herzlosen Charles und die zarte Di oder an »Randy Andy«. Aber seit die Queen sich vor Dianas Sarg verneigt hat, Camilla offiziell aufgenommen wurde und William und Kate süßen Nachwuchs bekommen haben, muss sich die Yellow Press schon sehr anstrengen, um mit Skandalen aufzumachen. So sind die Royals bis heute für die meisten Briten immer noch mehr als eine bunt uniformierte Folkloretruppe, die allenfalls noch als Touristenattraktion herhalten kann (und dieser Wirtschaftsfaktor ist speziell für London nicht zu unterschätzen). Die Zahlen sprechen für sich: Die republikanische Bewegung in Großbritannien (ja, es gibt sie!) kommt allerhöchstens auf 20 % Zustimmung. Die restlichen 80 % haben offenbar das institutionelle Wesen der Royals erkannt, wie es schon 1867 der Verfassungstheoretiker Walter Bagehot enthüllt hat: »Das Geheimnis unserer Monarchie kommt aus ihrer lebendigen Existenz. Wir sollten etwas Geheimnisvolles nicht ans Tageslicht zerren.« Oder mit den Worten des deutschen Journalisten Bernhard Heimrich: Das Faszinierende an den Royals ist das »Ritual der Entrückung«.

Royal Robes


»Wahre Eleganz kommt immer ohne Anstrengung daher«. Modedesigner Bruce Oldfield musste es wissen, denn er hat mit Princess Diana eine Stilikone ihrer Zeit eingekleidet. An ihrem offiziellen Wohnort Kensington Palace zeigt die Ausstellung »Diana: Her Fashion Story >>>«, wie die Princess of Hearts trotz des höfischen Korsetts ihren eigenen, unverwechselbaren Stil geprägt hat. Näher kommt man der Faszination der Royals kaum.

© Getty Images

Und Abends Ins Westend


Wenn in London, dann natürlich auch ins Westend-Musical. Also rasch noch online Karten bestellen! Leichter gesagt als getan: Zur Auswahl stehen an die 40 Produktionen. Das Geschäft brummt.

© Getty Images

ES kommt nicht von ungefähr, dass gerade London neben New York als Welthauptstadt des Musicals gilt. Dort hat es angefangen. In einer riesigen, immer größer werdenden Stadt wollte man unterhalten sein, und dazu eigneten sich erdenschwere Bühnenklassiker nur bedingt. Der Startschuss fiel 1872 im Alhambra Theatre mit »The Black Crook« (»Der schwarze Schuft«). Lange gab danach der New Yorker Broadway den Ton an: Wer gerät bei »Westside Story« nicht ins Schwärmen?

Als aber Andrew Lloyd Webber nachein-ander »Cats« (1980), »Starlight Express« (1984) und »Das Phantom der Oper« (1986) auf die Bühne brachte, übernahm London die Führung. Es begann das Zeitalter der Megamusicals, die mit einem immensen Aufwand an Personal, Ausstattung und Technik realisiert wurden. Die Millionen, die das kostete, wollten eingespielt sein, weshalb derartige Produktionen sehr lange laufen mussten. Auf der aktuelle Hitliste der am längsten gespielten Westend-Produktionen steht zwar mit Agatha Christie’s »Mausefalle« mit über 26 000 Vorstellungen ein Theaterstück deutlich an der Spitze, aber sämtliche folgenden Plätze belegen Musicals, angeführt von den immer noch laufenden »Les Misérables« und »Phantom der Oper« (beide über 12 000).

Geschäft mit Charme


Längst ist Musical also ein Riesengeschäft geworden. Die Society of London Theatres hat 2016 für alle Westend-Bühnen über 14 Millionen Besucher gezählt, die 644 Millionen Pfund an den Kassen ließen. Die allermeisten dürften ins Musical gegangen sein. Was aber nicht zum Dauerbrenner wird, wird abgesetzt. Laufend werden neue Produktionen ausgeworfen und alle möglichen Trends probiert: Jukebox-Musicals wie »THRILLER Live!«, Filmadaptionen wie »Mamma Mia!« und auch neue Megamusicals werden wieder gewagt, siehe »Lord of the Rings«. Man könnte jetzt natürlich meinen, dass das alles zu industrialisiert sei. Aber genau das ist es ja: Das ist kein Amateurtheater, hier sind Vollprofis am Werk, und wer mit Musicals etwas anfangen kann, sollte hingehen.

Außerdem besteht der Charme eines Musicalbesuchs in London nicht zuletzt darin, dass man nicht in eine extra gebaute, perfekt durchorganisierte Vergnügungsmaschine mit Rundumversorgung kommt, sondern in ein alteingesessenes, »richtiges« Theater mit einem Vorher (Wo essen wir noch was?) und einem Nachher (Gehen wir noch was trinken?). Dann muss man nur noch entscheiden: Will ich eine Geschichte sehen? Geht es mir vor allem um die Musik? Oder beides, am besten mit gigantischer Show?

© laif

Wer diese Wahl hat ... ist eindeutig im Westend angekommen.

Thriller Live!


Mal die 1980er live erleben? Im Lyric Theatre in der Shaftesbury Avenue kommen sie auf die Bühne: THRILLER Live! huldigt Michael Jackson, Moonwalking garantiert. Völlig sorglos wird der Abend >>> mit der zusätzlichen Buchung eines Pre-Show-Dinners in einem Restaurant.

Gurke und Käsereibe


»Walkie Talkie«, »Gherkin« oder »Cheesegrater« lauten einige der Spitznamen, die die Londoner ihren neuen Wolkenkratzern verpasst haben. Und es kommen immer weitere hinzu – riesige Kräne schwenken von morgens bis abends eifrig neue Bauteile hin und her. Heute geht, was vor einigen Jahren noch nicht möglich war: sagenhafte Blicke von oben genießen.

© Getty Images/Future Light

FRÜHER konzentrierten sich die Wolkenkratzer in den Finanzvierteln City of London und Canary Wharf oder setzten hier und dort als Solitär einen Akzent, wie Centre Point am östlichen Ende der Oxford Street. Heute entstehen Türme südlich der Themse in Southwark und Lambeth, auch in Stratford beim Gelände der Olympischen Spiele 2012. In der City kommen immer noch neue Himmelsstürmer hinzu.

Brennglasarchitektur


Die Formenvielfalt der Wolkenkratzer ist immens, auch wenn nicht alles gelungen wirkt – über neue Architektur kann man sich herrlich echauffieren. Ein tolles Beispiel ist das 160 Meter hohe »20 Fenchurch Street«, genannt »The Walkie Talkie«. Diesen Spitznamen erhielt das Gebäude, weil es sich nach oben hin dominant ausdehnt und das Stadtbild verändert. Der Architekt hatte allerdings nicht vorhergesehen, dass die konkave Fassade wie ein Brennglas wirkte, und deshalb u. a. die Karosserie eines unten geparkten Jaguars zum Schmelzen brachte. Der Besitzer eines nahe gelegenen Cafés nutzte sogleich die unverhoffte Wirkung und briet seine Spiegeleier im Freien. Der Architekt besserte nach. Abhilfe schaffen seither Lamellen, was aber nicht verhindern konnte, dass der Turm den »Carbuncle Cup« für den hässlichsten Neubau Großbritanniens des Jahres 2015 erhielt ...

Für Aufsehen sorgten auch das Lloyd’s Building im High-Tech-Stil im Jahr 1986 und Norman Fosters formschöne runde »Essiggurke« (»The...

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