Das Gesicht Gottes - Was war vor dem Big Bang? - - Vorwort von Robert W. Wilson, Nobelpreisträger der Physik

Das Gesicht Gottes - Was war vor dem Big Bang? - - Vorwort von Robert W. Wilson, Nobelpreisträger der Physik

von: Igor & Grichka Bogdanov

Riemann, 2011

ISBN: 9783641069797

Sprache: Deutsch

224 Seiten, Download: 485 KB

 
Format:  EPUB, auch als Online-Lesen

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Das Gesicht Gottes - Was war vor dem Big Bang? - - Vorwort von Robert W. Wilson, Nobelpreisträger der Physik



6 Und es ward Licht (S. 48-49)

Der Mann tritt an den Schreibtisch, an dem ein anderer sitzt. Er hüstelt ein wenig, um die Aufmerksamkeit des Mannes zu erregen, der ihm den Rücken zudreht. »Äh … darf ich mich setzen?« Der andere deutet mit der Hand auf einen Stuhl, mehr oder weniger ohne den Kopf von seinen Berechnungen zu heben. »Na, Ralph«, fragt er freundlich. »Wie weit bist du denn?« Ralph rückt seine Brille zurecht und setzt sich, wobei er sorgsam den Stuhl verschiebt, damit er nicht in der Sonne sitzt. Dann wartet er, bis sein Gegenüber ihn ansieht, ehe er antwortet: »Ich habe die neue Fassung des Artikels fertig. Ich glaube, ich kann überzeugend zeigen, dass es durchaus möglich sein muss, die Strahlung aus der Urgeschichte des Universums nachzuweisen.«

Schweigen. Der andere schiebt zwei oder drei Umschläge auf dem Schreibtisch hin und her. Dann sagt er mit unverhohlenem Spott in der Stimme: »Und die Berechnungen? Du weißt ja, dass man heute alles nachrechnen muss. Man kann nicht einmal ein Taxi nehmen, ohne vorher zu berechnen, was es wohl kosten wird.« Ralph sackt ein wenig in sich zusammen. Ganz wohl ist ihm noch nicht. Über diese Berechnungen hatte er eigentlich nicht reden wollen. Sein Doktorvater hatte ihn immer durch die Klarheit seiner Ideen beeindruckt. Aber er weiß auch, dass der russische Physiker die Berechnungen seiner Schüler über den Anfang des Kosmos schamlos für sich ausgenutzt hat. Als Doktorvater sucht er sich die besten Gleichungen aus, gibt ihnen den letzten Schliff und baut sie dann in einen Aufsatz ein, damit er sie veröffentlichen kann. Und so zögert Ralph ein wenig, bevor er antwortet:

»Hm … ich glaube, ich habe gute Beweisgründe gefunden.« Der andere schiebt die Papiere mit seiner großen Hand weg: »Beweisgründe? Ich will schöne Gleichungen. Ohne sie ist das Ganze nichts wert! Magst du Kürbissuppe?« Ralph kennt die Gedankensprünge seines Doktorvaters. Der liebt es, unvermittelt das Thema zu wechseln und damit seine Gesprächspartner zu verblüffen. »… ich jedenfalls krieg sie nur mit massenhaft Brot hinunter. Wenn dein Aufsatz keine Gleichungen enthält, dann ist das wie Kürbissuppe ohne Brot.« Ralph zieht sein Taschentuch hervor, schnäuzt sich umständlich und lässt den Blick dabei aus dem Fenster schweifen. »So einfach ist das nicht«, entgegnet er. »Das weißt du ganz genau. Herman und ich arbeiten seit zwei Wochen an nichts anderem.« Gamow zuckt mit den Schultern. Er erhebt sich und setzt sich auf seinen Schreibtisch.

»Jetzt zieh doch nicht solch ein Gesicht! Wenn du mir deinen Aufsatz vor Samstag gibst, feiern wir im Little Vienna, in Ordnung?« Ralph antwortet nicht. Er geht gern ins Little Vienna. Das familiäre Ambiente dort gefällt ihm. Bei einem schönen Whisky on the rocks wird man sich dort fast jedes Mal einig. Diesmal aber möchte er nicht, dass sich sein Doktorvater seine besten Gleichungen »ausleiht«, um sie, natürlich ohne Quellenangabe, zu veröffentlichen. Und so steht er stumm auf. In dem Augenblick, in dem er den Raum verlässt, meint Gamow mit unsicherem Lächeln. »Sei mir nicht böse, aber wie es aussieht, muss ich meinen Aufsatz vor dem deinen veröffentlichen. Ich kann nicht länger warten.« Ralph bleibt in der Tür stehen. Er senkt den Kopf und zögert einen Moment. Dann schließt er die Tür.

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