Die Zukunft des globalen Kapitalismus

Die Zukunft des globalen Kapitalismus

von: Will Hutton, Anthony Giddens (Hrsg.)

Campus Verlag, 2001

ISBN: 9783593368399

Sprache: Deutsch

273 Seiten, Download: 1127 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

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Die Zukunft des globalen Kapitalismus



Eigenes Leben in einer entfesselten Welt:
Individualisierung, Globalisierung und Politik

Ulrich Beck

Es gibt im Westen der Welt wohl kaum einen verbreiteteren Wunsch als den, ein eigenes Leben zu führen. Wer heute in Frankreich, Finnland, Polen, der Schweiz, in England, Deutschland, Ungarn, in den USA und Kanada herumreist und fragt, was die Menschen wirklich bewegt, was sie anstreben, wofür sie kämpfen, wo für sie der Spaß aufhört, wenn man es ihnen nehmen will, dann wird er auf Geld, Arbeitsplatz, Macht, Liebe, Gott usw. stoßen, aber mehr und mehr auf die Verheißungen des eigenen Lebens.

Geld meint eigenes Geld, Raum meint eigenen Raum, eben im Sinne elementarer Voraussetzungen, ein eigenes Leben zu führen. Selbst Liebe, Ehe, Elternschaft, die mit dem Verfinstern der Zukunft mehr denn je ersehnt werden, stehen unter dem Vorbehalt, eigene, d.h. zentrifugale Biographien zusammen zu binden und zusammen zu halten. Mit nur leichter Übertreibung kann man sagen: Das alltägliche Ringen und das eigene Leben ist zur Kollektiverfahrung der westlichen Welt geworden. In ihm drückt sich die Restgemeinschaft aller aus.

Doch was um alles in der Welt treibt die Menschen dazu, ausgerechnet nach den Sternen des »eigenen Lebens« zu greifen? Was ist der Grund für diesen Aufbruch? Was erklärt diese scheinbar individuelle und doch geradezu schematisch ablaufende Bewegung, diesen Eifer, diese Lust und Angst, diese Routine und Gewitztheit, mit der viele Menschen um ihr eigenes Leben bangen und ringen?

Für viele liegt die Antwort auf der Hand: Nicht Gesellschaftliches, Externes, die Menschen selbst sind der Grund, ihr Wille, ihre Anspruchsinflation, ihr überschäumender Erlebnishunger, die abnehmende Bereitschaft, auszuführen, sich einzuordnen, zu verzichten – das steckt dahinter.

Doch derartige Schnellerklärungen werfen neue Fragen auf: Wie erklärt sich dann dieser Massenaufbruch, die Gleichzeitigkeit, mit der die Menschen in vielen Ländern der Erde ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen? Alles vollzieht sich nach dem Schauspiel des Einmaligen in den Kostümen des Persönlichen und Individuellen – allerdings in einer Art ewiger Premiere, geradezu gleichförmig voneinander in den unterschiedlichsten Kulturen, Sprachen, Großstädten dieser Welt. Ist das eine Art Egoismus-Epidemie, ein Ich-Fieber, dem man durch Ethik-Tropfen, heiße Wir-Umschläge und tägliche Einredungen auf das Gemeinwohl beikommen kann?

Oder sind die einzelnen bei allem Funkeln und Fechten mit dem »eigenen Leben « vielleicht auch Botengänger, Ausführende eines tiefer greifenden Wandels? Sind dies die Vorzeichen eines Aufbruchs zu neuen Ufern, eines Ringens um ein neues Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, das sogar vielleicht noch erst erfunden werden muss? Zeigt sich also im Ringen um ein eigenes Leben ein evolutionärer Wandel, der westliche Gesellschaften bis in ihre Grundlagen hinein verändert? Das ist die Sicht, die in diesem Kapitel erprobt wird.

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