Rund um den Wilden Kaiser

Rund um den Wilden Kaiser

 

 

 

von: Sepp Brandl

Bergverlag Rother, 2002

ISBN: 9783763340842

Sprache: Deutsch

130 Seiten, Download: 15359 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

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Rund um den Wilden Kaiser



Über das Kaisergebirge (S. 18-19)

Das Kaisergebirge, gegliedert in die beiden parallelen Züge des Zahmen und des Wilden Kaisers, erstreckt sich über rund 20 km von Kufstein im Westen nach St. Johann im Osten. Es ist flächenmäßig unter die kleinen Gebirgsgruppen der Ostalpen einzureihen, nimmt aber nach dem Beliebtheitsgrad sicher eine Spitzenstellung ein. Wer diese großartige Gebirgskette von Süden gesehen hat, wird bestätigen, daß sie den Namen Kaiser zu Recht trägt. Dieser Name läßt sich über 700 Jahre zurückverfolgen. Ob er damals für das Gebirge verwendet wurde oder für eine Örtlichkeit, sei dahingestellt. Bereits im Jahre 1794, also wenige Jahre nach der Geburtsstunde des Alpinismus (Erstbesteigung des Montblanc 1786) wurde mit dem Scheffauer erstmals ein Kaisergipfel von einem Touristen erstiegen. 1881 wurde einer der berühmtesten Kletterberge, das Totenkirchl, bezwungen.

In den letzten zwei Jahrhunderten schrieben im wesentlichen die Bergsteiger, besonders die Kletterer, die Erschließungsgeschichte des Kaisergebirges, in das sich bis dahin meist nur Jäger, Holzknechte und Bauern wagten. Die Kette des Wilden Kaisers teilt man nach den drei Dörfern auf seiner Südseite in einen Scheffauer, Ellmauer und Goinger Kaiser auf. Die Namen dieser drei Orte finden sich auch in manchen Gipfeln und Scharten wieder. Mit der Tischoferhöhle im Eingangsbereich des Kaisertales stellt sich ein recht geschichtsträchtiger Ort vor. Hier haben sich im Jahre 1809 nicht nur die Tiroler Schützen gesammelt, hier ist auch der Fundplatz von Höhlenbären- Knochen und Gegenständen aus der Stein- und Bronzezeit.

Namen wie Bärnstatt, Hinterbärenbad u.a. erinnern heute noch an diese längst vergangene Zeit. Nach einer Volksbefragung im Jahre 1961 wurde das Kaisergebirge mit einer Fläche von über 10 000 ha zum Naturschutzgebiet erklärt, das dem Schutz von Pflanzen und Tieren, der Pflege des Landschaftsbildes und der Erhaltung der Stille dienen sollte. Dies läßt den Naturfreund hoffen, daß der Bau von Straßen und Bergbahnen im Schutzgebiet auch künftig unterbleibt, damit das Kaisergebirge, dieses großartige Denkmal aus Stein, von der Natur in Jahrmillionen geformt, uns und nachfolgenden Generationen in seiner ganzen Schönheit erhalten bleibt. In diesem Zusammenhang ist vor allem zu hoffen, daß man für das Kaisertal weiterhin eine naturverträgliche Lösung findet, die auch dem Anliegen der dort wohnenden und arbeitenden Menschen entgegenkommt.

Bauten die Menschen in den reizvollen und gastlichen Dörfern von Söll bis Waidring und von Ellmau bis Ebbs ihre Kirchen im Stil des Barock, so modellierte die Natur den hellgrauen Kaiserfels in der Vertikalen – wenn man so will – bevorzugt im gotischen Stil. Zum Bild dieser Landschaft gehört seit Jahrhunderten der Tiroler Bauernhof. Er hat sich nicht nur um den Dorfkern angesiedelt, er liegt auch in Weilern oder als Einzelgehöft über die Anhöhen und Talgründe verstreut und hat die Landschaft entscheidend geprägt.

Ganz aus Holz gezimmert oder mit gemauertem, weißgetünchtem Erdgeschoß, kleinen Fenstern mit bunten Läden, einem zweistöckigen, hölzernen Überbau, weit ausladendem, von einem Glockenstuhl gekröntem Dach, zwei oft kunstvoll gearbeiteten und mit reichem Blumenschmuck versehenen Balkonen auf der Stirnseite betont er gleichsam als Kontrast zum Gebirge die Horizontale, strahlt Wärme und Geborgenheit aus. Es ist zu wünschen, daß in diesen Stätten menschlicher Behausung auch in Zukunft bäuerliches Leben und Schaffen pulsiert und daß sie nicht zu musealen Schaustücken und zweckentfremdeten Gebäuden verkommen.

Wer ein Loblied auf das Kaisergebirge singt, kommt nicht umhin, in besonderer Weise auf den bedeutenden Kaiserkenner Fritz Schmitt und sein Buch vom Wilden Kaiser zu verweisen, dem auch dieser Wanderführer in so mancher Hinsicht zu Dank verpflichtet ist.

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