Die neue Redlichkeit - Werte für unsere Zukunft

Die neue Redlichkeit - Werte für unsere Zukunft

 

 

 

von: Rupert Lay, Ulf D. Posé

Campus Verlag, 2006

ISBN: 9783593401966

Sprache: Deutsch

240 Seiten, Download: 830 KB

 
Format:  EPUB, PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: geeignet für alle DRM-fähigen eReader geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

eBook anfordern

Mehr zum Inhalt

Die neue Redlichkeit - Werte für unsere Zukunft



Vorwort

Dies ist ein Buch über eine neue Form der Unredlichkeit, über ihre fatalen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft – und unsere Chance, ihr mit einer neuen Redlichkeit zu entkommen.

Wir leben in einer Zeit verloren gegangener Werte. Eine vage Sehnsucht nach Werten drückte sich in der öffentlichen Anteilnahme am Tod des alten und der Wahl des neuen Papstes aus. Dass das Leben in einer Welt ohne Werte nicht das beste Leben ist, spüren wohl viele. Aber worin genau bestehen die Nachteile? Und was könnte eine Alternative sein? Welche neuen Werte wären konsensfähig, wären zukunftsfähig? Mit diesen Fragen beschäftigt sich unser Buch, und es möchte zugleich einige Antworten liefern. Was kennzeichnet die neue Unredlichkeit? In früheren Zeiten wusste der Einzelne noch, wann er sich danebenbenahm; er hatte zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute ist es so, dass der Einzelne sich unredlich verhält, jedoch überhaupt nicht mehr merkt, dass er unredlich ist.

Wenn es sowieso keiner mehr merkt, warum sollte über die neue Redlichkeit und gegen die neue Unredlichkeit ein Buch geschrieben werden? Weil die Folgen der neuen Unredlichkeit so tragisch und schrecklich sind und es doch möglich ist, der neuen Unredlichkeit durch eine neue Redlichkeit erfolgreich zu begegnen und so eine noch lebenswertere Welt für viele und eben nicht nur für ganz wenige zu schaffen.

Eines vorweg: Absolute Redlichkeit ist sicher ähnlich unmenschlich wie absolute Gerechtigkeit oder absolute Wahrhaftigkeit. Es geht in diesem Buch überwiegend um kollektive Formen von Unredlichkeit, nicht um individuelle Formen. Wohl wissend, dass ein Stück Unredlichkeit sicher in jedem Menschen steckt. Für uns ist das oberste sittliche Kriterium die Biophilie: Handle und entscheide stets so, dass durch dein Handeln und Entscheiden das personale Leben in dir und in der Person eines jeden anderen eher gemehrt, denn gemindert wird. Nach diesem Kriterium kann Redlichkeit, aber auch Unredlichkeit ihren Platz haben. Es kommt nur darauf an, dass ich meine Unredlichkeit erkenne und beherrsche und dass ich sie durch eine neue Redlichkeit biophil ersetze. Es gibt Momente im Leben, in denen es angemessen oder notwendig ist, zum Beispiel die Unwahrheit zu sagen. Wenn es nicht anders möglich ist, eigenes oder fremdes Geheimnis zu schützen, kann die Lüge notwendig sein. So gibt es sicher auch eine Unredlichkeit, die sittlich vertretbar ist. Eine biophile Unredlichkeit sollte genauso erlaubt sein wie eine biophile Ungerechtigkeit oder eine biophile Unwahrheit.

In unserem westlichen Denkraum inklusive Amerika ist Redlichkeit eine Kategorie der Moral. Nietzsche hat diesen Begriff verwendet, um die damals vorherrschende Moral zu kritisieren. Da jedoch die moralischen Werte keine entscheidende Rolle mehr spielen, ist die Redlichkeit heute nur noch dazu da, sich sozialverträglich zu verhalten, um nicht sozial bestraft zu werden. Das war zwar auch schon bei der alten Redlichkeit so, jedoch war hier die Redlichkeit theologisch dominiert. Der Mensch hatte sich redlich zu verhalten, weil »der liebe Gott das so will«. Die Theologen sind leider bis heute nicht auf die Idee gekommen, dass jedes soziale System seine eigene Moral und damit seine eigene Redlichkeit hervorbringt.

Menschen benehmen sich heute daneben und finden es auch noch gut. Menschen beuten andere Menschen aus, sozial, emotional, ökonomisch – und darauf sind einzelne Mitmenschen auch noch stolz. Sie brüsten sich damit, dass es ihnen so gut gelungen ist, andere Menschen über den Tisch zu ziehen, sie zu übervorteilen. Die Folge ist, dass wir immer misstrauischer werden. Unsere Fähigkeit, anderen Menschen Vertrauen zu schenken, nimmt rapide ab. Eine weitere Folge ist die Vereinsamung von Menschen. Je mehr wir uns nur noch um uns selbst kümmern, desto weniger kümmern wir uns um andere Menschen und diese sich um uns. Wie heißt das Sprichwort? »Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich.« Das tue ich am besten in einer »Ich-AG«. So oder ähnlich könnte das Lebensmotto der heutigen Zeit heißen. Sich durchsetzen, Recht behalten, klarkommen auf Kosten anderer. Sich bereichern, andere abzocken, den eigenen Vorteil so intensiv wie möglich wahren. Das sind wohl Kennzeichen der heutigen Zeit. »Geiz ist geil« kann übersetzt werden mit: »Andere über den Tisch zu ziehen, ist geil«. Erfolg auf Teufel komm raus, ohne auf die Kosten zu achten, die andere dadurch haben.

Die neue Unredlichkeit ist ziemlich kostenintensiv, ohne dass wir es bemerken. Am besten erklärt hat das wohl das berühmte Gefangenendilemma aus der Spieltheorie: Zwei Jungs überfallen einen Bauern. Kurz danach werden sie mit einer Pistole in der Hand erwischt. Der Bauer ist so betrunken, dass er bei einer späteren Gegenüberstellung nicht sagen kann, wer von den beiden ihm eine Pistole unter die Nase gehalten hat. Die beiden wandern ins Gefängnis und stehen vor folgendem Problem: Verweigern beide die Aussage, dann kann man ihnen nur unerlaubten Waffenbesitz nachweisen.

Die Strafe dafür beträgt je drei Monate Knast. Gesteht einer der beiden und der andere schweigt, dann ist dieser ein Kronzeuge. Er wird freigesprochen, während sein Komplize fünf Jahre Knast bekommt. Gestehen jedoch beide, dann bekommen sie jeweils drei Jahre Gefängnis wegen gemeinschaftlichen Raubüberfalls. Nun stellt sich die Frage nach der Moral und Redlichkeit. Der Überfall als solcher ist ohne Frage unredlich, ein Verbrechen. Um diese Unredlichkeit oder das Verbrechen geht es hier jedoch nicht. Das wäre eine zweite, leicht zu beantwortende Frage. Es geht in diesem Fallbeispiel nur um das Verhältnis der beiden Räuber zueinander. Werden sie gestehen oder schweigen? Wahrscheinlich werden beide versuchen, die Kronzeugenregelung für sich zu beanspruchen. Nur landen sie über diesen Egoismus beide im Knast. Die Redlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Es wäre für beide in der Gesamtbilanz viel »billiger«, wenn sie schweigen würden.

Was soll’s, könnte man sagen, Moral in einer Gesellschaft verändert sich, unterliegt einer Drift. Die heutigen Moralvorstellungen sind eben nicht mehr deckungsgleich mit den Moralvorstellungen unserer Großeltern. Das Problem ist nur: Wir handeln fast schon amoralisch, und nicht nur widermoralisch. Widermoralisches Handeln setzt voraus, dass der Handelnde eine Moral kennt; amoralisches Handeln dagegen ist dadurch gekennzeichnet, dass der Handelnde über keinen moralischen Maßstab mehr verfügt. Warum das so wichtig ist? Aus der fehlenden Moral entsteht fehlendes Bewusstsein für Unredlichkeit und fehlendes Bewusstsein für Redlichkeit. Und die Kosten für unredliches Verhalten sind gigantisch.

Die Vereinsamung, die dadurch entsteht, ist so enorm, der Vertrauensverlust, der dadurch entsteht, ist so enorm, die Gefühlskälte, die dadurch entsteht, ist so enorm, der Verlust an Geborgenheit, der dadurch entsteht, ist so enorm, die Orientierungslosigkeit, die dadurch in einer Gesellschaft, einer Kultur entsteht, ist so enorm, die Entmenschlichung, die dadurch entsteht, ist so enorm, die Zerstörung des sozialverträglichen Miteinanders ist so enorm. Es kann sein, dass nicht wenige all das um des eigenen Vorteils willen billigend in Kauf nehmen. Wir wollen das nicht.

Dieses Buch will sich gegen all das stemmen. Zum einen, indem einmal die Entwicklung der Redlichkeit beginnend mit dem Altertum bis hin zur Neuzeit skizziert wird, um dem Leser das Verstehen zu erleichtern. Dann werden in diesem Buch die Entstehung der neuen Unredlichkeit, ihre Ursachen und Auswüchse untersucht. Zum Beleg stellen wir Beispiele aus allen Bereichen des Lebens dar. Damit wollen wir zeigen, wie sehr die neue Unredlichkeit in den verschiedensten Lebensbereichen schon um sich gegriffen hat. Und zum Dritten wollen wir Möglichkeiten zeigen, wie wir der neuen Unredlichkeit begegnen können, wie eine zukünftige neue Redlichkeit sich darstellen kann. Darin liegen für uns die Hoffnung und das Vertrauen in eine lebenswerte Zukunft.

Wir wissen nicht, was die Zukunft uns bringen wird, insofern können wir die neue Redlichkeit nicht exakt beschreiben. Aber wir können sagen, was wir uns wünschen, was wir für sinnvoll halten und welche Chancen in einer neuen Redlichkeit liegen. Wir sind davon überzeugt, dass eine neue Redlichkeit gute Chancen hat, unsere Zukunft weitaus lebenswerter zu gestalten, als dies ohne eine neue Redlichkeit möglich wäre.

Die Autoren

Der Bestsellerautor Professor Dr. Rupert Lay ist in deutschen Wirtschaftskreisen die oberste ethische Instanz. Der Jesuit ist ein Querdenker mit großem Einfluss. Von 2000 bis 2003 war er Vorsitzender des Kuratoriums der Fairness-Stiftung, seit 2004 ist er dessen Ehrenvorsitzender. 2004 bekam Rupert Lay den Fairness-Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Seit 2003 ist er Ehrenpräsident des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft e.V.

Ulf D. Posé ist Unternehmens- und Personalberater und hat viele Jahre als Hörfunk- und Fernsehjournalist gearbeitet. 2000 wurde Posé vom Berufsverband Deutscher Verkaufsförderer und Trainer e.V. für exzellente Trainingsleistungen ausgezeichnet. Seit 2003 ist er außerdem Präsident des Ethikverbands der deutschen Wirtschaft e.V. und Senatsmitglied im Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft, BWA.

Kategorien

Service

Info/Kontakt