Brüssel Reiseführer Michael Müller Verlag - Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps

Brüssel Reiseführer Michael Müller Verlag - Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps

 

 

 

von: Petra Sparrer

Michael Müller Verlag, 2018

ISBN: 9783956546556

Sprache: Deutsch

288 Seiten, Download: 44560 KB

 
Format:  EPUB, auch als Online-Lesen

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Mehr zum Inhalt

Brüssel Reiseführer Michael Müller Verlag - Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps



Wege durch Brüssel
Tour 1: Brüssels historisches Zentrum
Highlight jedes Brüssel-Besuchs ist die Grand Place, umgeben von labyrinthartigen, verkehrsberuhigten Gassen mit vielen Geschäften. Von der Börse oder der Gare Centrale ist der Platz gut zu Fuß zu erreichen. Ab 23 Uhr gehört das gesamte Viertel den Nachtschwärmern.
Kathedrale, brabanter Gotik und eine romanische Krypta
Galerie St-Hubert, eine Shopping-Mall von 1837
Grand Place, Sehenswertes am Prunkplatz der Zünfte
Manneken Pis, der meistfotografierte Brüsseler
Diese Tour nähert sich der Grand Place von der Kathedrale in der Oberstadt aus durch Einkaufspassagen und Brüssels berühmte Fressgassen. Die Grand Place wirkt zu jeder Zeit anders: am Sonntagvormittag auf dem Blumenmarkt, tagsüber beim Kaffee auf den Terrassen, bei bunter abendlicher Fassadenbeleuchtung oder beim Bummel über den Weihnachtsmarkt im Dezember. Viele Jahrhunderte war sie Marktplatz und politisches Zentrum der Stadt und seit 1998 ist sie Weltkulturerbe der UNESCO. Sie zieht Besucher aus aller Welt in ihren Bann, was Porträtmaler und Geschäftemacher aller Art zu nutzen wissen. Im Sommer erklingt klassische Musik, wenn unter freiem Himmel Bühnen für hochrangige Künstler aufgebaut werden. Alle zwei Jahre (2018, 2020 ...) setzt im August ein prächtiger Blumenteppich farbenfrohe Akzente. Auf 77 x 24 m Fläche verarbeitet ein Heer von Helfern innerhalb weniger Stunden rund 1 Mio. Begonienblüten zu einem eindrucksvollen Motiv.
Die Straßennamen in Brüssels historischem Zentrum zeugen von regem Handel. Verkauft wurden hier Butter (Rue au Beurre), Hering (Rue des Harengs), Fleisch und Brot (Rue Chair et Pain), Stoff (Rue de l’Étuve), Käse (Rue du Marché aux Fromages), Gemüse (Rue du Marché aux Herbes) und Kohle (Rue du Marché au Charbon). Mit dem Aufschwung der Tuchindustrie bauten die Zünfte bis zum 14. Jh. Brot-, Fleisch- und Tuchhallen. Im 15. Jh. war das Rathaus bereits vergrößert, die Holzhäuser durch Steinhäuser ersetzt. Verordnungen hatten dafür gesorgt, dass ein großes Viereck vor dem Rathaus unbebaut blieb: die Grand Place, auf Niederländisch der Groote Markt. Sie misst 110 mal 68 m, besitzt aber statt rauer Marktatmosphäre die Ausstrahlung eines feinen Salons. Die prunkvollen Zunfthäuser entstanden erst nach der Zerstörung von Markt und Unterstadt 1695 durch die Kanonen Ludwigs XIV. Von der Grand Place aus führt dieser Stadtspaziergang weiter zu Manneken Pis, zu weniger belebten, aber gemütlichen Plätzen und durch das St-Jacques-Viertel mit seinen Modeboutiquen und Schwulenkneipen.
Dauer der Tour ohne Museumsbesuche: ca. 4 Std.
Spaziergang
Die Tour beginnt an der Kathedrale St-Michel. Ab 1225 zog sich der Bau über 300 Jahre hin, ein Musterbeispiel für die Entwicklung der Brabanter Gotik. Verwendet wurde vorwiegend Kalksandstein aus der Region. Rein gotisch nach französischem Vorbild sind die prägenden 65 m hohen Türme aus dem 15. Jh. Brüssels Kathedrale ist dem Erzengel Michael geweiht. In der christlichen Tradition ist er der Anführer der Himmlischen Heerscharen, Verteidiger der Kirche gegen die gefallenen Engel und den Drachen der Apokalypse. Außerdem stand er den Brüsselern in besonderer Weise bei. So soll er z. B. im 11. Jh. Lambert II. zur Flucht verholfen haben. Der Graf von Löwen und Gouverneur von Brüssel hatte die Verlobte seines Vaters Heinrich I. entführt, wofür dieser ihn mit dem Tod bestrafen wollte. Lambert entkam und erklärte den Erzengel zum Dank zu Brüssels Schutzpatron. Seit 1229 ziert sein Bild das Siegel der Stadt, seit 1455 schmückt seine Statue als Wetterfahne den Rathausturm. Das von dem Kupfergießer Martin van Rode gefertigte Original, längst durch eine Kopie ersetzt, wird im Rathaus an der Grand Place aufbewahrt.
Durch die Rue Ste-Gudule geht es bergab quer über den breiten Boulevard de l’Impératrice in die Rue d’Arenberg und weiter durch die vornehmen Galeries Royales St-Hubert, 1837 von dem jungen Architekten Jean-Pierre Cluysenaar im Stil der florentinischen Renaissance entworfen, zehn Jahre später von König Leopold I. eingeweiht: Eleganz auf 213 m Länge unter gläserner Dachkuppel, heute mit immer luxuriöseren Geschäften. Brüssels nobler „Regenschirm“ war einst Flaniermeile und Treffpunkt der guten Gesellschaft. Mit Zeitungsredaktionen und literarischen Zirkeln zog es die Intellektuellen hierher, darunter berühmte Exilanten wie Victor Hugo, Charles Baudelaire und Alexandre Dumas. Hindurchschreiten durfte lange Zeit nur, wer Eintritt bezahlte, donnerstags und sonntags 25 Centimes, sonst zehn. Dies ist heute nicht mehr so. Die Galerien bieten feinste Pralinen, Leder und Tuch, ein Programmkino und ein Theater. Das Musée des Lettres et des Manuscripts zeigt in Wechselausstellungen Originalmanuskripte bekannter Schriftsteller.

Die Kathedrale - Brabanter Gotik auf einem Hügel über der Unterstadt

Rechter Hand geht es in die Galerie des Princes mit der legendären Buchhandlung Tropismes. Und schon ist es vorbei mit Ruhe und Eleganz, am anderen Ende beginnen die „Fressgassen“. Den Spaß, Brüssels weibliches Pendant zum Manneken Pis zu betrachten, sollte man sich auf jeden Fall gönnen (von der Galerie des Princes links in die Rue des Dominicains, dann rechts in die Rue des Bouchers und nach 100 m wieder rechts). Die viel fotografierte kleine Skulptur Jeanneke Pis hockt, wahrscheinlich damit sie nicht gestohlen wird, hinter Gittern am Ende der lärmigen Sackgasse Impasse de la Fidélité. Anders als Brüssels männlicher pinkelnder Ehrenbürger ist sie jedoch keine historische Figur. Händler stellten sie 1987 auf, um mehr Laufkundschaft anzuziehen. Zurück geht es, meist durch Gedränge, entlang der Restauranttische in der Petite Rue des Bouchers bis zum Grasmarkt, der Rue du Marché aux Herbes. Von beiden Straßen aus ist das alte Marionettentheater Toone zugänglich (→ Kasten).
Abstecher: Attraktive Geschäfte an der Rue du Marché aux Herbes mit dem Kunsthandwerkermarkt auf dem gleichnamigen Platz (Richtung Gare Centrale) laden zum Bummeln ein. Hier steht auch eine Skulptur des früheren Bürgermeisters Charles Buls, mit der zusammen sich viele Touristen gern auf Selfies verewigen. Diese Tour führt anschließend weiter in Richtung Grand Place.
Kaiserliche Pracht - der Ommegang
Giganten auf 3 m hohen Stelzen, Bauerntänze, artistische Einlagen, ein Ritter und ein Drache - Renaissance-Flair pur zwischen den Tribünen auf der Grand Place. Jedes Jahr Anfang Juli führt ein prächtiger Umzug vom Grand Sablon zur Grand Place, der Ommegang.
Auf das aufwendige und sehr stimmungsvolle Spektakel (→ Geschichte) bereiten sich Mitglieder des belgischen Adels, die echten Nachfahren der historischen Persönlichkeiten, und etwa 1500 Brüsseler Bürger das ganze Jahr über vor. Sie scheuen weder Kosten noch Mühe, ihre historischen Kostüme absolut detailgetreu aussehen zu lassen. Keine Armbanduhren, keine Sonnenbrillen - das gilt auch für Fotografen, Hörfunkjournalisten und Kameraleute, die sich mit schwarzem Cape und schwarzer Kappe unter die Darsteller mischen. Highlights sind die Künste der Fahnenschwinger und das Defilee des kaiserlichen Hofstaats über die Grand Place, die in der Dämmerung besonders feierlich wirkt. Darunter sind natürlich die kaiserlichen Schwestern Maria von Österreich, Königin von Ungarn und Statthalterin der Niederlande, sowie Eleonore, Königin von Frankreich. Auch die edlen Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies fehlen nicht. Der Ommegang wird zu Ehren Karls V. zelebriert, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und Herrscher über 17 niederländische Provinzen. Mit seinem Gefolge zog er am 2. Juni 1549 prunkvoll in Brüssel ein. Im 21. Jh. beeindrucken jedes Jahr wieder die kaiserlichen Insignien die Zuschauer ebenso wie die stolzen Reiter, die in die Rolle von Karl V. und seinem damals 22-jährigen Sohn (dem späteren Philipp II. von Spanien) schlüpfen. Und an einem hat sich nichts geändert, die wichtigsten Ehrengäste betrachten das Spektakel wie eh und je von den Balkonen des Rathauses.
Karl V. verlieh zahlreichen Organisatoren dieses Festes seinerzeit den Adelstitel. So kam es, dass es ihm später gewidmet wurde. Der Ommegang selbst hat noch ältere, religiöse Wurzeln, die das Schauspiel ebenfalls thematisiert: Mitte des 14. Jh. feierte man mit ihm die Ankunft eines in Antwerpen gestohlenen, wundertätigen Bildnisses der Jungfrau Maria (selbstverständlich geschah alles im göttlichen...

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